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Derletzt hatte ich es davon, wie Asexuelle in den Medien dargestellt werden. Zweiter Teil dieser Reihe in loser Folge: Was geschieht, wenn irgendwer diese Berichte (willentlich) missversteht? Oder wenn sich wer mal wieder mies ausgedrückt hat?

Eigentlich hat swankivy schon alles gesagt beziehungsweise gesammelt, aber es ist Englisch, also hier nochmal zum Mitschreiben:

Es gibt immer noch Leute, die glauben, dass die sexuelle Orientierung eine Wahl ist, zwischen richtig- (hetero) und verkehrtrum (alles andere).

Es sollte jedoch offensichtlich sein, dass ich mir das nicht ausgesucht habe, wo ich es doch bequemer haben könnte. Was ich mir ausgesucht habe: Ich habe meine Andersartigkeit benamst. Ich lebe so, wie ich am wohlsten fühle, anstatt still vor mich hin zu leiden. Ich rede darüber, dass ich anders bin, und lüge nicht mehr allen Leuten was vor.

Wahrscheinlich sind schon Bände darüber geschrieben worden, wie unsinnig es ist, die sexuelle Orientierung als Wahl darzustellen, denn in Anbetracht der sozialen Folgen, von einfacher Ausgrenzung bis zur Todesstrafe, würden sich wenige freiwillig aussuchen, nicht hetero zu sein … Diese Message ist offenbar immer noch nicht angekommen.

Und so wird aus Asexualität eine „dritte Option“ für junge Leute, die ihre sexuelle Orientierung hinterfragen: Asexualität wird gegen Homosexualität ausgespielt.

Logisch fühlen sich die anderen sexuellen Minoritäten des Buchstabensalats angegriffen und reagieren bissig. Asexuelle tumblr-Benutzer*innen hatten 2011 und 2012 keine guten Jahre, da gab es regelmäßig wildeste Tiraden aus beiden Richtungen, weil irgendwelche Leute allein den Hashtag „asexuality“ schon als Affront gesehen haben.

Je nach Berichterstattung und unglücklicher Wortwahl der Interessenvertretungen („Kein Sex? Kein Problem!“ – „Sex? Brauch ich nicht.“) liegt tatsächlich der Verdacht nahe, dass wir den Rest der Welt zur Keuschheit erziehen wollen. AktivistA hat mittlerweile aus den Reaktionen auf der Straßen schmerzhaft dazugelernt, die neuen Flyer sind betitelt „Asexualität: Nicht nur bei Amöben“. *winkt*

Nun könnte wer, auch ohne Mithilfe des von swankivy zitierten Kommentars, auf den Gedanken kommen: „Diese konservative Brut will doch, dass wir alle asexuell sind.“*

Nein, das tun die nicht, selbst, wenn sie glauben, dass sie es wollen.

Was die wollen: Dass alle, die sich in der Heteronormativität nicht wohlfühlen, die Klappe halten, enthaltsam leben, schön zuhause bleiben und die Mehrheitsgesellschaft nicht mit ihrer Andersartigkeit stören.

Was die nicht wollen: Infostände beim CSD. Flyer in der Kneipe liegen sehen. Zeitungsberichte über Leute, die der trauten Zweisamkeit von Mann und Frau entsagen und sich wohl damit fühlen. Flaggen und Werbung für’s AVEN-Forum am Auto.

Die wollen nicht, dass diese ganzen „Anderen“ Raum einnehmen, geschweige denn, Raum beanspruchen.

Aber genau das tun wir, und die Reaktionen sind die immer gleichen. (Wie immer Verweis auf’s Bingo, für Leute, die sich die Kommentare zur HuffPo-Serie sparen möchten.**) Mag sein, dass Asexuelle größtenteils enthaltsam leben, aber schön zuhause bleiben tun sie nicht alle.

 

 

 

* Ich habe eine Schwäche für das Wort „Brut“

** Ja, das ist mein Hütchen, aber nicht mein Kopf drunter.

Edit 2017-09-24: Sprache an neuere Erkenntnisse über Ableismus angepasst.

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