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Triggerwarnung: sexueller Missbrauch in Andeutungen

Ich habe gerade im Backlog von Swankivys Tumblr „Everyday Ignorance“ rumgestöbert, bin auf diesen Post (mehr Triggerwarnung) gestoßen, und wollte mal meine Meinung zum Thema kundtun.

Der größte Teil meines Umfelds weiß mittlerweile über meine Orientierung Bescheid, oder hat zumindest eine vage Ahnung, dass ich nicht hetero bin.

Drei dieser Personen haben über „schlechte Erlebnisse in der Kindheit“ spekuliert, die ich vielleicht gehabt haben könnte, und die meine Orientierung erklären könnten. Alle mit dem Hinweis, dass man sich Sorgen um mich mache.

Nun. Diese drei Menschen kennen mich relativ gut, und zwar so gut, dass sie wissen, dass ich von einem traumatischen Erlebnis nun nicht notwendigerweise erzählen würde. In meinem Fall gibt’s nichts zu erzählen, doch die Frage ist grundsätzlich problematisch.

Es besteht die Möglichkeit: Ich habe tatsächlich schlechte Erfahrungen. Je nach Konstitution kann es sein, dass ich durch die Frage allein getriggert werde, und einen Flashback erlebe – also in der schlechten Erinnerung so sehr gefangen bin, dass ich sie jetzt als real erlebe.

Vielen Dank, das ist wahnsinnig hilfreich… und verständnisvoll und respektvoll und so.

Denn: Entweder kennt dier Fragende das Konzept „Trigger“, dann ist sier, vorsichtig ausgedrückt, rücksichtslos und beweist, warum man siem bis jetzt noch nichts erzählt hat. Oder dier Fragende ist mit PTSD nicht genug vertraut um zu wissen, dass siene Frage triggern könnte, behauptet aber trotzdem indirekt, die Auswirkungen von PTSD zu kennen.

Beides wirft kein besonders vorteilhaftes Licht auf den Charakter des Fragenden. Insofern, auch wenn die Antwort „nein, ich hatte eine traumafreie Kindheit“ lautet, disqualifiziert die Frage nach möglichem Missbrauch den Fragenden.

Des weiteren muss sich das Ass, das sein Coming out hat, fragen, warum dier Gesprächspartner einem lieber mangelnde Selbsterkenntnis und ein bislang unerwähntes sexuelles Trauma unterstellt, als siene Realität um die Definition einer sexuellen Orientierung zu erweitern. Dier Gesprächspartner sollte sich das auch fragen. (Fühlt sich vielleicht überrumpelt, oder angegriffen, oder den heteronormativen Lebensentwurf kritisiert… ? Wer hat Angst vorm großen, bösen Ace?)

Was an der Frage noch unschön ist: Es wird kaum ein Ass geben, das nicht darüber nachgedacht hat. Asexualität ist die letzte Möglichkeit, und davor haben wir alle Ausschlusskriterien in Betracht gezogen. Auch Missbrauch.

Ich kann mich an kein Trauma in meiner Kindheit erinnern, ich habe keine PTSD-Symptome, und hatte nie welche. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, an der ich nicht sozial ungelenk und schweigsam war, und in der ich mehr als eine Handvoll Freunde hatte. Offensichtlich habe ich nicht irgendwann eine plötzliche Verhaltensänderung an den Tag gelegt.

Trotzdem habe ich vor meinem inneren Coming out monatelang an meinem Gedächtnis gezeifelt und meine gesamte Biographie in Frage gestellt. Offensichtlich hätte ich lieber akzeptiert, dass ich gestört bin, als dass ich asexuell bin.

Wenn ich so zurückschaue, ist das verdammt lächerlich, und gleichzeitig traurig, denn es sagt schon sehr viel darüber aus, wie tief die Indoktrination der sexuellen Befreiung sitzt.

Ich habe den FragestellerInnen, sofern sie hier mitlesen, im Übrigen verziehen. Ich kann aber nicht versprechen, dass ich einer eventuellen Nummer Vier nicht wegen mangelnden Respekts an die Gurgel gehe.

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