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Die Tatsache, dass Nicht-Asexies so gerne von der Abwesenheit von Begehren auf die Abwesenheit von Liebe schließen, wurde, denke ich, nicht nur von mir, sondern bereits von zahlreichen anderen beschrieben und bedauert.

Tatsächlich scheinen selbst Menschen, die zum ersten Mal mit Asexualität konfrontiert werden, aber nicht der Partner sind, irgendwie zu meinen, dass unsereinem nicht nur der Sex, sondern die komplette Emotion Liebe abgeht.

Ich frage mich dann immer, ob diese Kritiker auch ihre Eltern, Geschwister, Kinder und Haustiere zum Sex mit ins Bett nehmen.

Tatsächlich hat die Wissenschaft mittlerweile Beweise, dass Liebe und Sex zwei unterschiedliche Hormonsysteme bemühen, also sich bestenfalls überlappen. Carol Haefner, die ihre Dissertation über romantisch veranlagte Aces geschrieben hat, legt eine Zusammenfassung der Ergebnisse ab Seite 22 ihrer Arbeit dar.

Und ich werde nochmals zusammenfassen sowie übersetzen.

Laut Haefner, die wiederum andere Arbeiten zitiert, handelt es sich bei Sexualtrieb, Anziehung und emotionaler Bindung um drei (!) unterschiedliche Systeme.

Der Fortpflanzugstrieb ist der älteste und wichtig für die Arterhaltung jeder Spezies – er sorgt dafür, dass die meisten Lebewesen in regelmäßigen Abständen nach Befriedigung suchen. Beim Menschen sind dafür vor allem Androgene (also das vielbemühte Testosteron) verantwortlich. Und ja, auch Frauen produzieren Testosteron.

Anziehung und das, was heutzutage bei uns unter „romantischer Liebe“ läuft, führt zu erhöhter Aufmerkssamkeit für den bevorzugten Partner. Schuld sind Dopamin und Norepinephrin (aka Noradrenalin), sowie erniedrigte Serotoninwerte. Das führt zu den für Verliebte üblichen Ausfallerscheinungen: unbegründete Euphorie, Appetitlosigkeit, erhöhte Wachsamkeit und weniger Schlafbedürfnis. Kokain löst übrigens ähnliche Symptome aus, hält aber nicht so lange in der Wirkung. Nicht umsonst heißt die Dopaminbahn auch Belohnungssystem.

Die Wirkung von Serotonin ist noch umstritten, es scheint aber auf die Schlafarmut und das obsessive Verhalten zu wirken – und wer nur noch an den/die/sell eine denken kann, der verhält sich nun wirklich ein bisschen obsessiv.

Schlussendlich die emotionale Bindung. Liebe. Sie ist assoziiert mit erhöten Blutspiegeln von Oxytocin und Vasopressin und motiviert den Menschem, ein gutes Sozialverhalten an den Tag zu legen, also die Bedürfnisse der Gruppe über die eigenen zu stellen. Ohne Liebe wäre die Menschheit vermutlich schon längst ausgestorben.

Die Systeme Sex und Bindung hängen geringfügig zusammen – beim Orgasmus schütten Frauen Oxytocin aus, und Männer produzieren beim Sex Vasopressin. Solcherart erhöht sich die Partnerbindung, was dem Nachwuchs  bessere Überlebenschancen gewähren soll.

Somit wäre bewiesen, was wir alle schon längst wissen: Sex ist nicht Liebe.

Falls also das nächste Mal jemand uns als irgendwie gestört bezeichnet: wir haben die besseren Argumente.

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