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Nachdem ich in meiner letzten Durchsage auf mein „unfreiwilliges Branding“ hingewiesen habe, dachte ich, dass das eigentlich ein komplettes Posting wert ist.

Um ausführlich zu sein: ich habe seit April eine arabeskenförmige, hellbraune, flache Narbe auf meinem rechten Unterarm und Handrücken, weil ich Nuss trotz aller Berichte darüber nicht nachgefragt habe, welche Farbe das Henna hatte, mit dem ich mich da verzieren ließ. Jedenfalls gab schwarzes Henna plus intensive Sonneneinstrahlung zehn Tage später dicke Brandblasen, und nun habe ich die Narbe.

Ich habe noch mehr Narben, die meisten davon nicht sichtbar. Insgesamt nichts, was mich irgendwie entstellen würde, aber durchaus vorhanden.

Jedenfalls passiert es mir gelegentlich, dass die sichtbaren Narben auffallen, und ich dann bemitleidet werde. Der gewöhnliche Zuschauer hat ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie schrecklich es sein muss, so rumzulaufen.

Ich laufe so rum, und mir ist es herzlich wurst. Ich bin mir sicher, dass mir größere Narben, oder solche, die die Funktion einschränken, nicht wurst wären, aber offenbar zählt das, was ich da rumschleppe, anderen schon als große Narbe.

Witzigerweise würde ich mich als eitel beschreiben. Ich lege durchaus Wert auf mein Äußeres. Aber die Narben habe ich irgendwie in mein Selbstbild assimiliert, und, wie schon gesagt, machmal gebe ich auch damit an.

Bei einer anderen OP-Narbe, die längst verblasst ist, war mir denn damals auch der größte Aufreger, dass die Stiche keine regelmäßigen Abstände hatten, und die Narbe demnach assymetrisch war.

Ich frage mich manchmal, ob das irgendwie daran liegt, dass ich nicht im klassischen Sinne attraktiv sein will. Ich suche keinen Sexpartner, und mache mich für keinen solchen hübsch, den ich behalten will – ich muss und will also nicht sexy sein.

Trotzdem sehe ich manchmal so aus als ob. Ich zeige kein Bein, aber bin durchaus mit tiefen Ausschnitten und engen Sachen unterwegs.  Ich will stark, unabhängig, geheimnisvoll aussehen. Vielleicht will ich auch auffallen. Je nach Laune.

Sexy scheint da irgendwie inbegriffen, zumindest für Leute, die nicht ich sind.

Ich frage mich, ob diese Diskrepanz zwischen dem, wie ich wahrgenommen werde, und dem, als das ich wahrgenommen werden möchte, dieses Mitleid wegen meiner Narben verursacht.

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