Schlagwörter

, , , ,

Fiammetta hatte eine englischsprachige Fabel von the Dragon and the Fox verlinkt, und die fand ich so gut, dass ich sie gleich mal übersetzen musste, nachdem mir freundlicherweise die Genehmigung erteilt wurde.

Ein Text für alle, deren Identität schon mal bestritten wurde, unabhängig von Gray-Asexualität:

 

Die Geschichte von der Grauen Füchsin und der Drachin

Es war einmal eine kleine graue Füchsin, die gerne im Wald spazieren ging. Als sie eines Tages so spazierte, traf sie einen roten Fuchs, und die beiden wanderten gemeinsam und unterhielten sich zunächst angenehm miteinander.

Als das Gespräch schon eine Weile dauerte, fragte der rote Fuchs die Graue: „Bitte verzeih die Frage, aber welche Farbe hat dein Fell? Ich habe diese Schattierung bisher noch an keinem Fuchs gesehen.“

Die graue Füchsin antwortete: „Mein Fell ist grau, wie du siehst.“

Der rote Fuchs dachte darüber eine Weile nach, und sagte endlich: „Ich habe viele Füchse getroffen, aber niemals einen mit grauem Fell. Bist du vielleicht eine alte Füchsin, deren ehemals rotes Fell grau geworden ist?“

„Nein“, antwortete die graue Füchsin, „ich bin eine junge, graue Füchsin.“

„Ich habe schon von vielem gehört, aber noch niemals von einem grauen Fuchs“, sagte der rote Fuchs. „Vielleicht bist du weiß, und dein Fell ist vom Staub grau geworden.“

„Nein“, antwortete die graue Füchsin. „Mein Fell war schon immer grau.“

Der rote Fuchs schüttelte seinen Kopf. „Ich bezweifle, dass irgendein Fuchs graues Fell hat. Füchse können rot oder weiß oder braun oder sandfarben sein, aber noch nie gab es einen grauen Fuchs.“

Daraufhin hielt die graue Füchsin an, setzte sich hin und heulte traurig. Die Füchs*innen hörten den Schlag großer Schwingen, der immer lauter und lauter wurde, bis eine Drachin mit wilden Brüllen vom Himmel herabstieß.

Kurz beschrieb die graue Füchsin der Drachin das vorangegangene Gespräch mit dem roten Fuchs. Die Drachin wendete ihren glühenden Blick dem roten Fuchs zu, und grollte: „Ich kenne diese Füchsin gut, und ihr Fell war schon immer grau. Sie ist eben einfach so. Warum akzeptierst du dies nicht?“

Der rote Fuchs, der sein Fell vor Angst gesträubt hatte, stammelte: „Bitte tu mir nichts, mächtige Drachin. Ich kenne viele Füchs*innen und bin unter den Hohen meines Volkes. Wenn du mich freilässt, werde ich dir als Gegenleistung einen Schatz für deinen Hort geben.“

„Nein“, antwortete die Drachin. „Ich habe kein Interesse an Schätzen, und habe keinen Hort. Ich möchte nur meiner Freundin, der grauen Füchsin, helfen.“

Der rote Fuchs war verblüfft, und fuhr fort: „Aber ich möchte dich besänftigen, große Drachin, und es ist allgemein bekannt, dass jede*r Drachen Reichtümer von allen Dingen am höchsten schätzt. Ich biete dir Reichtümer an, so viele ich finden kann, als Gegenleistung für meine Sicherheit.“

Die Drachin, unbeeindruckt von diesem Bestechungsversuch, antwortete: „Roter Fuchs, du täuschst dich über das Drachenvolk. Nicht alle von uns begehren Reichtümer, und ich am allerwenigsten. Als Gegenleistung für deine Sicherheit bitte ich dich, bei der grauen Füchsin um Verzeihung zu bitten, und ihr zu erlauben, ihren Weg fortzusetzen.“

Als der rote Fuchs das hörte, zeigte er offen seine Verachtung und trumpfte auf: „Dann bist du gar keine Drachin! Ich habe noch nie von einem Drachen gehört, der keine Reichtümer begehrt, denn das ist eine angeborene Eigenschaft aller Drachen, und die bestimmende Eigenschaft eines Drachens. Ich kann mir einen solchen Drachen nicht einmal vorstellen!“

Daraufhin wurde die Drachin wütend, und ließ einen Feuerstrahl in Richtung des roten Fuchses los. Er jaulte und rollte sich auf dem Boden umher, um seinen brennenden Pelz zu löschen. Nachdem die Drachin das eine Weile mit Genugtuung betrachtet hatte, stolzierte sie in den Wald.

Die graue Füchsin drehte sich um, ihrer Freundin, der Drachin, zu folgen, warf dem roten Fuchs einen letzten Blick zu und bemerkte: „Vielleicht wirst du eines Tages lernen, dass es mehr Dinge auf der Welt gibt, als du gesehen hast, oder von denen du gehört hast, oder als du dir vorstellen kannst.“

Woraufhin die Drachin hinzufügte: „Vielleicht wirst du eines Tages lernen, dass ein Drache ein Drache bleibt, und wenn du es noch so bestreitest.“

Advertisements