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Via der Datenkrake kam ein Link reingeschneit, den Sarah Jean Jost freundlicherweise übersetzte, und dessen Inhalt ich euch nicht vorenthalten will, da es meinem Bingo noch ein, zwei neue Aspekte abgewinnt.

Originalpost hier, von Kirstin Kelley. Veröffentlichung mit Genehmigung der Übersetzterin, nach Rechtschreib- und Grammatikprüfung, sowie einer Versehung mit *.

Thanks, Sarah Jean!

 

8 Dinge, die du niemals zu Asexuellen sagen solltest


Vor einiger Zeit habe ich einen Bericht über meine eigenen Erfahrungen als asexuelle Person veröffentlicht. Viele Leute, die asexuell sind, würden sich wünschen, dass die breite Masse ein bisschen mehr vor allem darüber wüsste, was man nicht zu einem Asexuellen sagen sollte. Also habe ich mit der AVEN-Gemeinschaft Kontakt darüber aufgenommen, was die nervigsten, frustrierendsten oder beleidigendsten Reaktionen darauf waren, dass sie sich als asexuell geoutet haben. Folgende Reaktionen wurden am häufigsten genannt:

 

1. „Herausforderung angenommen!“

Das ist meiner Meinung nach das Schlimmste! Bestenfalls ist das ein Witz, der unserer Identifizierung als asexuell die Rechtfertigung abspricht und der uns unsicher macht, wie wir auf sie reagieren sollen. Schlimmstenfalls ist sie geprägt von einer Vergewaltigungskultur und voll von bedrohlicher Sprache! Die Idee einer „Vergewaltigung, die eine*n wieder auf den richtigen Weg bringt“ ist eine reale Bedrohung für Mitglieder der LGBT-Gemeinde und der asexuellen Gemeinschaften. Es gibt wirklich Menschen, die davon überzeugt sind, dass eine Vergewaltigung das „Problem“ löst, indem das Opfer den Übergriff genießt. Solche Dinge kommen vor, und damit bedroht zu werden, ist Furcht einflößend.

 

2. „Woher weißt du das, wenn du es nie versucht hast?“

Das ist meist gut gemeint, aber es ist schwer, damit umzugehen, weil es eine*n in die Defensive treibt. Wir wissen es genauso, wie du wusstest, dass du an Sex Interesse hast! Wir haben dieses spezielle Interesse einfach nie entwickelt. Asexuelle sind in unterschiedlichem Ausmaß an Sex desinteressiert, von wenig Interesse bis zur extremen Abneigung, aber egal, wo wir uns einordnen, wir fühlen es instinktiv und wissen es einfach.

 

3. „Keiner wird mit dir zusammen sein wollen, wenn du nicht bereit bist, Sex zu haben!“

Ernsthaft? Bestimmt die Frage, ob ich bereit bin, Sex zu haben, meinen Marktwert als mögliche*r Partner*in? Mit jemanden, di*er so über meine Asexualität denkt, möchte ich sowieso nicht zusammen sein! Außerdem gibt es eine Bandbreite von unterschiedlichen Meinungen, die Asexuelle zum Thema Beziehung haben. Ich zum Beispiel wünsche mir eine Beziehung, andere legen keinen Wert auf diese Art von Nähe und sind aromantisch!

 

4. „Gib nicht auf, nur weil du eine schlechte Erfahrung gemacht hast!“

Wer hat etwas von einer schlechten Erfahrung gesagt? Manche Menschen, die negative sexuelle Erlebnisse gehabt oder sogar Missbrauchserfahrungen gemacht haben, sind asexuell, ein Teil von ihnen sind aber auch sehr sexuell. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun! Wenn jemand, den mensch kennt, asexuell ist, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass si*er in irgendeiner Form Opfer von sexueller Gewalt geworden ist, und ehrlich gesagt geht eine*n das auch nichts an, es sei denn, das Opfer teilt sich einer*m mit!

 

5. „Aber was ist mit Heiraten und Kinderkriegen?“

Meine Wünsche und Vorstellungen zur Familienplanung haben nichts mit meiner Asexualität zu tun! Für die Aromantiker stellen Ehe und Kinder oft keine Option dar (obwohl jede Erfahrung individuell ist), aber die romantischen Asexuellen haben verschiedene Möglichkeiten. Zuerst: Wenn wir Sex zum Zwecke der Fortpflanzung haben wollen, können wir das durchaus, manche Asexuelle haben sich für diese traditionelle Art des Kinderkriegens entschieden. Andere entscheiden sich vielleicht für eine Adoption oder künstliche Befruchtung. Viele Asexuelle haben außerdem verständnisvolle Ehepartner, die vielleicht sogar selbst asexuell sind.

 

6. „Du kannst ja gar nicht asexuell sein, du hattest Sex mit …!“

Erst mal vielen Dank dafür, dass du ein Auge auf alle meine Entscheidungen hast! Ich weiß nicht, ob ich einen genauso guten Überblick über mein Leben habe wie du! Nur weil ich in der Vergangenheit Sex hatte, heißt das nicht, dass Sex für mich in der Gegenwart irgendwie attraktiv ist, oder dass er es in der Vergangenheit war. Viele Asexuelle haben aus den verschiedensten Gründen Sex. Manche glauben, dass sie Sex ausprobieren sollten, bevor sie sich als asexuell identifizieren, andere tun es, um ihren Partner glücklich zu machen! Einige sind in einer oder mehreren Phasen ihres Lebens asexuell. Egal, was die Gründe sind: Aus den Handlungen einer Person kann man nicht unbedingt auf ihre Gefühle schließen.

 

7. „Du meinst wohl, du lebst im Zölibat!?“

Diese Reaktion ist am wenigsten frustrierend für mich, denn sie ist meistens das Resultat eines ernsthaften Versuches, meine Erfahrungen zu verstehen. Viele Menschen verwechseln Asexualität und im Zölibat leben, weil beides von außen oft gleich aussieht. Aber es gibt einige wesentliche Unterschiede: Jemand, der im Zölibat lebt, hat sich aus irgendeinem Grund entschieden, ohne Sex zu leben, aber si*er hat dennoch das Bedürfnis nach Sex. Ein*e Asexuelle*r hat vielleicht Sex, hat aber nicht das gleiche Bedürfnis nach Sex, dass die meisten Menschen haben.

 

8. „Das ist nur eine Phase!“

Es ist zwar richtig, dass sich die Sexualität eines Menschen im Laufe seines Lebens verändern kann, aber das ist nicht bei allen Menschen der Fall, und vielleicht auch nicht bei dem Menschen, mit dem mensch gerade redet! Asexualität ist eine sehr komplizierte, sehr reale Erfahrung, die eine große Herausforderung an di*en Asexuelle*n stellt. Statt von oben herab auf uns einzureden, könnten wir verständnisvolle Unterstützung gebrauchen – unabhängig davon, ob wir vielleicht irgendwann wieder ein Interesse an Sex entwickeln!

 

Noch Ergänzungen?

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