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Seit dem Wochenende ist meine gesamte Restfamilie eingeweiht. Weil mein Vater eine neue Partnerin hat, waren zwei Menschen zu informieren, und weil ich wusste, wie anstrengend schon eine einzelne Person sein kann, hatte ich beschlossen, den beiden zu schreiben. Am Ende stellte sich raus, dass sie schon ewig die asexy Flagge an der Heckscheibe meines Autos gesehen und gegoogelt hatten, weshalb ich mir völlig umsonst Sorgen gemacht hatte.

Ich wusste auch, dass mein Vater nie so super scharf auf Kinder war wie meine Mutter, auch wenn er jetzt froh ist, mich zu haben, aber von ihm kam nie das, was ich mal als Enkeldruck bezeichnen will.

Jedenfalls sind jetzt alle wichtigen Leute informiert *winkt an manche*, was eine weitere Erleichterung darstellt. Nie mehr Ausflüge zu CSDs in Erzählungen zensieren müssen! Keine Lügen mehr, woher ich Leute kenne! Yay!

Um das Mail einer Zweitnutzung zuzuführen, kriegt ihr es hier, vielleicht nützt es wem was, dier Inspiration oder Hilfe sucht:

 

… Ich werde euch jetzt euren Sonntag durcheinanderbringen. Mir geht es gut, also Ruhe bewahren und bitte bis zum Ende fertiglesen. Wer weiß, vielleicht ist die Überraschung gar nicht so groß.

Euch ist vielleicht aufgefallen, dass ich meine Antworten auf manche Fragen bezüglich meiner Freizeitgestaltung und Bekannten in den letzten zwei Jahren ein wenig ausweichend ausgefallen sind. Das liegt daran, dass ich erstens ein bisschen ein Feigling bin, und zweitens keine Lust auf die unausweichliche Diskussion hatte, die ich führen muss, wenn ich den Grund dafür persönlich mitteile:

Ich habe da einen Verein an der Backe, dessen zweite Vorsitzende ich bin. Der Verein heißt AktivistA, und hat sich der Sichtbarmachung von Asexualität verschrieben.

Asexualität ist, grob gesagt, das Gegenteil von Bisexualität. Wir wollen nichts von niemandem.

Das ist so ungewöhnlich und jenseits der modernen westlichen Vorstellungskraft, dass ich mich jahrelang gefragt habe, was mit mir los ist, und selbst, als ich das Wort gefunden hatte, jahrelang gebraucht habe, bis ich mich für endgültig nicht hetero erklären konnte. Mir geht es sehr viel besser, seit ich ein Wort für mein „tickt anders“ habe, und über dieses Wort mit anderen in Kontakt komme, die ähnlich gelagert sind. Das Wort gibt es noch nicht sehr lange, deswegen dürfte es euch, wenn überhaupt, im Zusammenhang mit Amöben begegnet sein.

Wie gesagt: Ich weiß, dass es schwierig ist, sich an dieses gedankliche Konzept zu gewöhnen. Mitunter ist die Überraschung so groß, dass ein Outing per Gespräch zu unschönen Diskussionen führt, die alle Parteien unzufrieden und/oder verletzt zurücklassen. Daher, längst überfällig, dieses Mail.

Zum Weiterlesen gibt es hier eine PDF einer Broschüre unseres Vereins: http://www.aktivista.asex-web.de/images/AVEN_Fragen_zur_Asexualitaet.pdf

Und hier ist eine Übersicht über all die Gründe, warum ich ein Mail geschrieben habe: https://dertorheitherberge.wordpress.com/bingo/

Weil ich jahrelang Unsicherheit und Selbstzweifel ausgehalten habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es anderen besser gehen soll. Deshalb bin ich in dem Verein. Deshalb hat Carmilla DeWinter einen Blog über Asexiness. Deswegen die Flaggen an meinem Auto.

Was erwarte ich jetzt von euch?

Vor allem, durchatmen. Ich bin immer noch die selbe Person wie vorher. Fragen jetzt oder später beantworte ich natürlich gerne. Wenn ihr euch entschließt, nicht zu genau nachzufragen, ist das auch in Ordnung …

 

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