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„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“, fragt Gretchen den Faust in Goethes Tragödie erster Teil.

Da Dezember ist und alle (gefühlte) Welt sich auf ein in seinen Ursprüngen religiöses Fest vorbereitet, ist das glaube ich, ein guter Anlass, mal meine eigenen Ansichten darzulegen.

Nun sagt ja das Christentum, dass Ostern das wichtigste Fest ist, aber bezeichnenderweise wird darum heutzutage viel weniger Aufhebens gemacht, was meines Erachtens beweist, dass mensch sich zwar dem Osterglauben, aber nicht der Faszination Wintersonnenwende entziehen kann.

Über Religion und Asexualität ist schon geschrieben worden, vor allem darüber, was besonders das Christentum davon hält, und dass diese Religion, die die Keuschheit so verehrt, uns vielleicht fälschlicherweise auf ein Podest zur Nachahmung stellen könnte. Weniger habe ich bislang darüber gelesen, was Asexualität mit persönlichem Glauben anstellt.

Hier muss ich zugeben, dass ich noch nie besonders gläubig war, dass religiöse Inbrunst und absolute Gottesfurcht meinen eher rationalen Gedankengängen durchaus fremd sind. Zumal ich hoffentlich gelernt habe, die Dinge zu hinterfragen. „Immer dem Geld folgen.“

Gleichzeitig ist da etwas in mir, das mehr mit Fox Mulder in Einklang ist. „Ich möchte glauben.“

Nun machen ee die Religionen mir nicht gerade einfach. Das Neue Testament hat ein paar gute Seiten, fordert aber wie jeder Monotheismus absolute Unterwerfung. Das Wort Gottes duldet wenig bis gar keine Kritik. Solchen alleine seligmachenden Wahrheiten stehe ich zutiefst misstrauisch gegenüber.

Geschätzte Millionen bis Milliarden Menschen sind gestorben, ohne je das Wort Gottes einer Buchreligion vernommen zu haben. Verzeihen Sie mir, wenn ich bezweifle, dass ein derartiger Zufall der Geburt dazu führt, dass irgendwer auf ewig mit anderen Ungetauften in der Hölle schmort – zumindest bis 2007, denn in diesem Jahr schaffte der Vatikan die Vorhölle zumindest für ungetaufte Kinder ab… (Für mich ist das ein Witz „ohne Worte“.)

Das Christentum scheidet also vorerst aus.

Alternativen, die ich bislang interessant fand, waren heidnisch.

Leider ist die altnordische Religion extrem sippenbezogen – ganz klasse für Menschen, die nicht vorhaben zu heiraten. Zudem hatte die Religion in ihren Ursprungszeiten wenig Verständnis für abweichendes sexuelles Verhalten. Den Rest haben die Nazis und das Marvel Film-Universum für mich verdorben.

Das Neuheidentum/Hexentum hingegen ist eine Fruchtbarkeitsreligion, und die zugehörigen Mythen um die Dreifaltige Göttin und ihren Gehörnten Gott finde ich als Asexuelle nun eher befremdlich. Offenbar ziehe ich aus meinem Frau-Sein weniger Identität, als für diesen Glauben notwendig ist.

Somit bin ich also vage pantheistisch-heidnisch orientiert, würde gerne glauben, und muss mich doch immer wieder am Kopf kratzen.

Was mich nicht davon abhält, der Wintersonnenwende auch dieses Jahr freudig entgegenzusehen.

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