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Obwohl ich glaube, dass mit meinem Humor alles in Ordnung ist, gab es in der letzten Zeit ein paar Dinge, die ich nicht mehr witzig finden kann, und muss mich hier mal echauffieren.

Dafür zwei Beispiele, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.

Erstens. Rumgealber unter Kolleginnen, Kollegin 1 mit vier Jahre altem Sohn beklagt sich, dass der einen Marienkäferkuchen zum Geburtstag will. Kollegin 2 mit älterem Sohn schlägt vor: „Sag doch einfach, dass Marienkäfer nur was für Mädchen sind, dann überlegt der sich das ganz schnell.“

Kollegin 1 grinst, guckt dann entsetzt, und meint, „der wird jetzt aber nicht schwul?“

Alles lacht, außer der DeWinter. Ich habe mich dann zu einem halben Grinsen und zu einem, „ich glaube nicht, dass das ein Anzeichen ist“ durchgerungen.

Gedacht habe ich: Scheiß Homophobie (und kein Kommentar von Kollegin 2, die einen guten schwulen Freund hat). Scheißgenderstereotype, lasst doch das Kind damit in Frieden, der lernt das von der Außenwelt noch früh genug. Und außerdem, Mädels dürfen Autokuchen, aber Jungs keine Marienkäferkuchen. Mädels dürfen Tarnfarben, aber Jungs kein Rosa. Wie krank ist das eigentlich?

Zweitens. Unterhaltung einer Freundin von mir mit einer ihrer Kolleginnen am Getränkeausschank. Wir kommen drauf, dass klarer Apfelsaft nur klar ist, weil die Schwebstoffe daraus mit Gelatine gefällt werden, und die gewinnt mensch bekanntlich aus toten Schweinen. Die Kollegin meint dann in etwa, „haha, Vegetarier und Veganer dürfen keinen Saft trinken! Da bleibt mehr für uns Normale übrig!“

Ich blinzle, schlucke, und sage, „Normal ist relativ.“

(Ja, ich bin introvertiert, und das Gegenteil von schlagfertig. Was glaubt ihr, warum ich lieber schreibe?)

Jedenfalls bekomme ich, die ich meine ganze Teenagerzeit gerne „normal“ gewesen wäre, mittlerweile so einen Hals, wenn ich das Wort nur höre. In der Medizin und den Naturwissenschaften lasse ich Normwerte gerne durchgehen, aber selbst da gibt es üblicherweise Spektren, und es gibt Leute (wie mich) die leben fantastisch mit einem Ruhepuls unter 60/min.

Glücklich bin ich eh erst, seit ich beschlossen habe, dass die Leute sich ihr „normal“ dahin stecken können, wo die Sonne nicht scheint. Meistens ist es doch so, dass gerade die, die am meisten auf „normal“ stehen, einfach bloß Angst haben, dass irgendwer merken könnte, dass sie irgendwie nicht ganz „normal“ sind.

Das Leben ist eine Glockenkurve, verdammt noch mal.

Insofern frage ich mich: Wieso wollen alle Leute Lemminge sein?

/aufreg

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