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Vor vier Wochen habe ich mich über das „Objekt-des-Begehrens“-Bewusstsein ausgelassen, und warum ich glaube, dass manche asexy Frauen sich betont unweiblich kleiden, um kein Objekt zu sein.

Ich bin dazu quasi der Gegenentwurf: ich trage manchmal Röcke, wenn auch keine sehr kurzen; enge, teilweise tief ausgeschnittene Oberteile; Schmuck, Blümchen im Haar, Nagellack. Dazu lange Haare. Néanmoins aus dem Forum, die mich auch persönlich kennt, hat einen „mädchenhaften“ Eindruck von mir.

So einen Eindruck habe ich nicht immer hinterlassen. Bis ich etwa 15 war, bestand meine Garderobe bevorzugt aus sehr weiten Pullis und Schlabber-Jeans, dazu Turnschuhe. Im Rückblick wird offensichtlich, dass ich mich damals mit meinen sich entwickelnden weiblichen Formen völlig überfordert war und den optischen Rückzug angetreten habe.

Hauptsache, mich bemerkte keiner, der irgendwas von mir hätte wollen können.

Es folgte eine eher punkige Phase, mit Kapuzenpullis, Band-T-shirts und Doc Martens. Ein bisschen „lauter“, die Klamotten besser sitzend, aber nicht das, was ich als feminin bezeichnen würde.

Im Laufe der Jahre bemerkte ich dann, dass ich wohl doch nicht so viel Lust hatte, mir einen Mann zu angeln, und eine Frau schon gar nicht, und dass, egal welches Outfit ich trug, die Kerls das irgendwie riechen konnten.

Überdies begriff ich, dass ich nicht verantwortlich bin für das, was andere Leute von mir denken. Eine hochgeschlossene Bluse hält im Zweifelsfall keinen Sexisten davon ab, mich als Frau und damit als inkompetent zu betrachten. Insofern kann ich mich auch anziehen, wie ich Lust habe.

Und seitdem ich nun innerlich den Schritt von der „misstrauischen Hete“ zum Ace gemacht habe, lehne ich mich optisch noch ein bisschen weiter aus dem Fenster.

Wobei ich, natürlich, nicht so aussehe, als würde ich mich aus dem Fenster lehnen, da von mir ja als cis-Weibchen auch ein halbwegs feminines Äußeres erwartet wird.

Was man leider nicht sieht, ist, dass dieser ganze Kram für mich eigentlich Spielzeug ist: ich bin jeden Tag mal mehr, mal weniger in Kostüm. Ich mache das alles für mich, als Ausdruck meines persönlichen Befindens und meines Selbstverständnisses, nicht für irgendwelche Männeraugen.

Ich nehme den Anspruch, dass ich ich halbwegs feminin auszusehen habe, und treibe ihn nach Laune zum Exzess. Somit untergrabe ich nebenher die Heteronormativität hoffentlich ein bisschen.

In anderen Worten: ich zähle mich zu den Femmes. (Ausgesprochen mit „e“, nicht mit einem französischen „a“.) Sogar an den Tagen, an denen – in einem Laden mit einem Chef und mehreren weiblichen Angestellten – ich die einzige Person mit Krawatte bin…

Wie gesagt: Spielzeug!

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