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Es ist schon eine Weile her, dass ich Artikel angekündigt habe, die von Bogaerts „Understanding Asexuality“ inspiriert sind.

Nun. Hier ist nun einer. Ausgehend vom sechsten Kapitel, das „Sex and Gender“ übertitelt ist – also „Biologisches Geschlecht und Geschlechtsindentität“.

Erst eine Meckerei: obwohl Bogaert explizit feststellt, dass es einen Haufen (d.h. 13%) Asexuelle gibt, die sich weder als weiblich noch als männlich identifizieren, besteht er auf „sie oder er“, obwohl es im Englischen die Möglichkeit des Einzahl-„they“ gibt, das völlig geschlechtsneutral funktioniert. (Seufz.)

So. Und nun zu meinen Überlegungen. Bogaert spekuliert, dass asexuelle Frauen kein „Objekt des Begehrens“-Bewusstsein haben und sich daher weniger feminin verhalten und kleiden:

For example, asexual women may be less feminine in attire, manner and language because they lack (…) object-of-desire self consciousness.

Das erklärt er, indem er das Gegenbeispiel anführt. Heterosexuelle Frauen ziehen laut Studienlage einen großen Teil ihres sexuellen und romantischen Selbstbewusstseins daraus, sich als Objekte des Begehrens wahrzunehmen. Wenn ich das richtig verstehe, folgert er aus der Tatsache, dass asexuelle Frauen nicht begehren und nicht begehrt werden möchten, dass sie sich nicht als „Objekte des Begehrens“ wahrnehmen, und deshalb andere Verhaltensweisen zeigen.

Hm.

Für mich wird andersrum ein Schuh draus, was mit der Sozialisation von Menschenweibchen zusammenhängt.

Hübsche Dinge zu mögen und sich herauszuputzen sind in unserer Gesellschaft weibliche Domänen. Kleine Mädchen werden häufiger für ihre süßen Kleider und ihre schönen Haare gelobt als kleine Jungen. Schlussfolgerung: hübsch sein bringt positive Aufmerksamkeit. Jede_r wird gern gelobt. Und wer sich mal anschaut, wie oft Schauspielerinnen mit ihren Outfits in der Presse sind im Vergleich zu ihren Verdiensten auf der Leinwand…

Wir lernen von klein auf, dass frau gefälligst nett auszusehen hat. Wer nicht hübsch ist, also nicht als „Objekt des Begehrens“ auf dem männlichen Radar auftaucht, muss soziale Konsequenzen fürchten, und hierbei können andere Frauen sehr viel ungnädiger sein als jeder Mann.

Zweitens heißt asexuell ja nicht aromantisch, und bei der Partnersuche ist ein gepflegtes Äußeres nicht unerheblich.

Drittens gibt es anekdotische Beweise – Ninnys Mieder und Strapse in London sind da vermutlich das aufsehenerregendste Beispiel – dass asexuelle Frauen verstehen, mit dem Begehren und der (A)Sexiness zu spielen.

Insofern glaube ich, dass die meisten asexuellen Frauen durchaus wissen, bewusst, oder unbewusst, dass sie potentiell ein Objekt des Begehrens sind. Und dass es bei diesen ganzen unfemininen Verhaltensweisen vielleicht darum geht, möglichst gar nicht  erst auf dem Radarschirm aufzutauchen – dass also das Tragen hochgeschlossener Kleidung, etc. erst aus dem „Objekt des Begehrens“-Bewusstsein erwächst, und nicht andersrum.

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