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Ein Gespräch über neu gekaufte Filme hat mich ein bisschen über die X-Men nachdenken lassen. Ich besitze alle fünf Filme auf DVD (was viel ist, wenn man bedenkt, dass meine Sammlung etwa dreißig Filme umfasst). Jedenfalls konnte jemand anderes nicht verstehen, was ich daran so toll finde – ist doch bloß das übliche Comicverfilmungs-Actionspektakelzeug.

Ist es, für mich, eben nicht, aber um das zu erklären, musste ich erst nachdenken, und jetzt muss ich ausholen. Weit, nach 2003. Der erste X-Men-Film ist gerade im Fernsehen gelaufen, und hat mir so gut gefallen, dass ich beschließe, mir Teil 2 im Kino reinzuziehen.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich gerade im zweiten Jahr an der Uni. Entgegen meiner Erwartung ist mein neues Ich, das nicht mehr daheim wohnt, nicht sehr viel anders als mein altes Ich. Die neue Umgebung hat mir jedenfalls nicht zu dem erhofften neuen Leben verholfen. Ich bin 21 – alt genug, um in den USA Bier bestellen zu dürfen – und habe so vage das Gefühl, dass es an der Zeit wäre, den Mann für’s Leben zu finden, oder zumindest mal einen festen Freund oder so.

Andererseits fühle ich mich allein ganz wohl, habe keine besondere Lust, die Verbiegungen anzustellen, die es braucht, um einen Kerl an mich zu binden, und mittlerweile weiß ich auch, dass ich mehr Rückzugsmöglichkeiten benötige als andere.

In diese Situation tritt folgender kurzer Dialog:

„Then why not stay in disguise all the time? Look like everyone else?“

„Because we shouldn’t have to.“

(Warum dann nicht die ganze Zeit getarnt bleiben? Wie alle anderen aussehen? – Weil wir es nicht müssen sollten.)

Nightcrawler und Mystique. Beide blau, aber Mystique hat als Gestaltwandlerin die Möglichkeit, sich anzupassen.

Dieser Dialog hat mich damals an den sprichwörtlichen Eiern gegriffen und seitdem nicht wieder losgelassen.

Neben dem ganzen CGI-Geballer geht es bei X-Men um das sich Versteckenkönnen und sich Versteckenmüssen. Begegne ich der ewigen Angst vor dem Unbekannten, indem ich mich anpasse und den Kopf einziehe, oder lasse ich den Kopf draußen und bin laut? Auch auf die Gefahr hin, mir Feinde zu machen?

Keine Ahnung, an wen die Schöpfer der X-Men damals gedacht haben. Angeblich fühlen sich die meisten Teenager manchmal wie Aliens, und lieben deswegen X-Men. Aber es ist ein Unterschied, ob ich mich als Teenie manchmal oder als Erwachsene_r immer als Alien fühle… und gelegentlich überkommt einen die Ahnung, dass queeres Volk sich zumindest manchmal in den Filmen wiederfinden könnte…

„Have you ever tried not being a mutant?“

(Hast du jemals versucht, kein Mutant zu sein? – Bobbys/Icemans Mutter nach dessen Outing in Teil 2)

„If you’re using half your concentration to look normal, then you’re only half paying attention to whatever else you’re doing.“

(Wenn du die Hälfte deiner Konzentration dafür aufbietest, normal zu wirken, kannst du allem anderen nur die halbe Beachtung schenken. – Erik/Magneto zu Raven/Mystique in X-Men: First Class)

Wie dem auch sei: dieser eine Satz bestätigte mir meine Punk-Attitüde. Ich hatte zwar keinen Namen für mein Anderssein, und ein cooles Alias schon gar nicht, aber hey, immerhin gab es Leute, die meine Meinung teilten.

Warum sollte ich entgegen meiner Neigungen handeln? Nur, um nicht aufzufallen, oder weil es jemandem unangenehm sein könnte?

Ich bin nicht auf der Welt, um in anderer Leute Schubladen zu passen, oder anderer Leute Erwartungen zu erfüllen.

In diesem Sinne: Mutant Ace and Proud.

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