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So, ich hatte ja schon angedroht, dass ich mal ein Thema aus „Understanding Asexuality“ aufgreife.

Und zwar habe ich im dritten Kapitel, einem historischen Abriss, ein paar interessante Betrachtungen bezüglich asexueller, oder wenigstens vermutet asexueller, Figuren gefunden.

Offensichtlich ist die Bandbreite des menschlichen Interesses an sexueller Interaktion den Leuten schon viel eher aufgefallen, als dass es einen Namen dafür gab.

Bogaert bringt zwei ältere Beispiele, die ich aber nicht kenne: Jughead Jones  aus den Archie Comics und Gilligan von Gilligan’s Island. Sowie Sherlock Holmes und Sheldon aus der Big Bang Theory.

Außer bei Sherlock Holmes dient das Desinteresse der Figuren zumeist der Komik.

Bogaerts Meinung nach teilen sich die meisten vermutet asexuellen Figuren in Kindsköpfe und Nerds.

Und zumeist sind das Männer. Das weibliche Gegenstück zum Nerd ist der Bebrillte Bücherwurm (TM ). Offenbar kann man die Bücherwürmer aber nicht in Ruhe asexy sein lassen. Nein, an ihrer vermeintlich kühlen Schulter entzünden sich männliche Fantasien, so dass der Bücherwurm angelegentlich Rettungsaktionen zum Opfer fällt. Und siehe da, sobald man dem Bücherwurm ein paar Kontaktlinsen gegeben hat, verliebt sich das doch eigentlich recht ansehnliche Mädchen in den Quarterback und freundet sich mit den Cheerleadern an. (Ich hab den Filmtitel verdrängt, aber es gib in dieser Manier sicher mehr als einen. Clueless/Ungeküsst haut aber in eine ähnliche Kerbe.)

Wir sehen also: es gibt Klischees über asexuelle Menschen schon länger, als es eine Bezeichnung für uns gibt. Wir kämpfen gegen jahrzehntealte Stereotype, zu denen es nur ein Wort braucht, um sie mit uns zu verbinden.

Weltfremde Naivlinge, gefühlskalte Nerds, Streber ohne Hobbies, und Bibliothekarinnen, die heimlich den Fottballstar lieben.

Fallen wir außerhalb des Klischees, wird uns vielleicht nicht geglaubt. Fallen wir ins Klischee, warten wir eigentlich nur auf den Dornröschenkuss, oder, schlimmer, haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir das Klischee bestätigen.

Ich jedenfalls habe manchmal ein schlechtes Gewissen – ich trage Brille. Ich mag Bücher. Ich bin introvertiert. Ich breche das Klischee nur insofern, als dass nicht mal die beharrlichste Werbung mein Herz aus Eis erweicht. Kontaktlinsen habe ich versucht, aber davon hat sich meine emotionale Landschaft auch nicht geändert. Ich habe nur trockene Augen bekommen.

Noch mehr klischeehaft Asse da draußen?

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