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… hab ich irgendwas von Mittwoch gesagt? Ich bitte um Verzeihung, falls irgendwer ganz dringend auf eine Zusammenfassung gewartet hat.

Für die Asexual Worldpride Conference habe ich seit Jahren zum erstenmal wieder einen Hörsaal betreten. Der Raum hatte etwa 120 Plätze und war glücklicherweise nicht ganz voll, da die Belüftung eher schlecht war.

Anwesend waren vor allem Asse jedes Alters (von 16 bis geschätzten 76) und fast jeder Herkunft, dazu ein paar Pressevertreter und eine Handvoll interessierte Menschen, die durch einen Artikel in Metro, einer kostenlosen Londoner Tageszeitung, auf die Konferenz aufmerksam gemacht wurden.

Mit etwas Verspätung – die meisten waren ohne Frühstück aufgetaucht und stürzten sich erst mal auf koffeinhaltige Getränke und süße Stückchen – eröffnete Michael J. Doré die Konferenz.

Als erster Sprecher war Nat Titman dran, und erzählte, wie aus einer verzweifelten Internetrecherche in den Neunzigern langsam das entstand, was heute AVEN ist. Zwar war er damals auf den „Haven for the Human Amoeba“ und diverse andere Gruppen gestoßen, allerdings hatten die einen Fehler: keiner wusste so genau, wie sich Asexualität definieren sollte, es wurde viel über die bösen Sexuellen geschimpft, und die ganz strengen Gruppen hatten sogar einen Eingangstest, bei dem jede_r durchfiel, di_e_r jemals aus reiner Neugier masturbiert hatte. Da Nat zu diesem Zeitpunkt ein paar Beziehungen hinter sich hatte und außerdem in Trans*- und Bi-Foren aktiv war, fand er diese elitäre Herangehensweise eher abschreckend.

Resultat war eine Gruppe für Asexuelle bei LiveJournal (einem Bloganbieter), die einen Monat aufmachte, bevor das erste AVEN-Forum online ging. David Jay fand die Gruppe und lud Nat ein, ihm bei den FAQ (das, was bei uns „Fragen zur Asexualität“ heißt) zu helfen – der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Als zweiter Programmpunkt stand eine Podiumsdiskussion mit einigen britischen Aktivisten an – fünf Leute, die mindestens im Radio, Fernsehen oder diversen Printmedien erschienen sind. Wichtigste Erkenntnis: je älter die Asse, desto schwerer erreicht man sie, weil das Internet nur für Menschen, die nach ca. 1975 geboren sind, ein natürlicher Lebensraum ist.

Einem Mittagessen folgte das internationale Panel – und da saß ich dann auf der Bühne, zusammen mit Menschen aus Kanada, den USA, Kolumbien, Italien und Israel. De facto geht es uns in Deutschland als Asse ziemlich gut: das Forum ist beinahe ein Selbstläufer, und wir haben mehr als einen regelmäßigen Stammtisch. Den Südamerikanern steht wie den Italienern die starke religiöse Prägung durch den Katholizismus im Weg, außerdem das Image als heißblütiges Völker. Stichwort: Latin Lover.

In Deutschland haben wir außerdem das Glück, dass, wenn in Amerika oder Großbritannien irgendwas Größeres über Asexualität berichtet wird, das den hiesigen Medien sehr früh auffällt, und sie dann automatisch auf das deutsche Forum stoßen.

Als nächstes war David Jay dran – wer immer ihn mal in einem Film gesehen hat: im echten Leben ist das noch viel mitreißender. Der Mensch ist einfach ein geborener Redner. (Neid.) Hauptsächlich ging es darum, dass wir als erste sexuelle Minderheit überhaupt einen Einfluss darauf haben, wie wir in den Medien in Zukunft proträtiert werden. Derzeit merken die Medienschaffenden, Drehbuchautoren und Regisseure gerade, dass es uns gibt, wir sind neu und potenziell interessant. Wichtig ist daher, dass wir beweisen, dass es tatsächlich interessante Geschichten zu erzählen gibt, Geschichten, die auch ohne Sex spannend sind. (Dazu später mehr.)

Außerdem forderte er uns auf, uns mit queeren Organisationen zu vernetzen – offenbar bekommen zumindest die englischsprachigen Gruppen derzeit Anfragen, haben aber kaum Infomaterial.

Dazu hoffentlich mehr, sobald die CSD-Saison rum ist.

Als nächstes waren drei *sexuelle Wissenschaftler an der Reihe, die über diverse Aspekte von Asexualität forschen: alles Soziologen und Anthropologen. Warum sich auch Nicht-Asse für uns interessieren: weil derzeit Romantik und Sex ein Einheitsbrei sind, der auch für *Sexuelle ungesund ist, weil Intimität viel zu oft mit Sex gleichgesetzt wird, und daher Intimität ohne Sex in der westlichen Gesellschaft unmöglich scheint.

Es gab dann eine Teepause mit Kuchen, und schließlich (A)Sexual.

Über den Film will ich nicht zu viel verraten, außer, dass ich ihn ziemlich gut fand. Mit etwas Glück ist eine DVD ab Herbst für das allgemeine Publikum zu beziehen.

David Jay versuchte dann, Diskussionsgruppen für den Pub zu organisieren, in den wir nach 19 Uhr einfielen. Ich war Teil der Mediengruppe.

Folgende Ergebnisse: falls irgendwelche Fotografen das hier lesen, und gute Bilder haben, die man für Artikel über Asexualität verwenden kann: bitte bei iStock,  Fotolia, Wikimedia oder anderswo unter „asexuality“/“Asexualität“ hinterlegen, wo Journalisten nachschauen und Bilder kostenlos verwenden können. Damit es nicht schon wieder einen Artikel mit zwei Paar voneinander wegzeigenden Füßen, die unter der Bettdecke hervorschauen, gibt.

Beispiele sind hier, wenn man ganz nach unten schaut.

Mehr Blogger sind außerdem ebenfalls willkommen, in jeder Sprache…

Gegenwärtig gehöre ich auch zu einer Gruppe, die versucht, zwei Anthologien auf Englisch zu organisieren: eine mit autobiographischen Texten und eine mit Kurzgeschichten. Wir werden sehen, ob und was daraus wird.

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