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So. Ich unterbreche mal meine üblichen Durchsagen, um mich über was nicht ace-spezifisches aufzuregen.

Folgendes Fundstück aus der ganz neuen Brigitte (Heft 1/12 vom 14.12., außer für Abonnenten wie meine Frau Mama), in einem Interview über Sex und Religion. Unvermeidlicherweise kam das Gespräch auf die in den letzten Jahren bekannt gewordenen, zahlreichen Missbrauchsfälle. Soweit richtig und wichtig.

Dann aber ein Hammer am Rande:

Was spielt es für eine Rolle, dass es sich bei den bekannt gewordenen sexuellen Übergriffen in der katholischen Kirche hauptsächlich um homosexuelle Übergriffe handelte?

Es heißt ja auch, dass die katholische Kirche wegen des Zölibats viele Männer anzieht, die potentiell homosexuell sind, sich aber dazu nicht bekenn wollen. Männer, die am liebsten von sich sagen, ich bin ganz asexuell.

Autsch. Abgesehen davon, dass die Antwort keine Antwort auf die gestellte Frage darstellt…

Zerlegen wir die Frage mal. „Homosexuelle Übergriffe“ soll wohl heißen: ein Mann hat sich an einem männlichen Jugendlichen oder kleinen Jungen vergriffen.

Unterstellt wird: der Täter ist homosexuell, also schwul, und keinesfalls pädophil, pervers und/oder mit einer Diagnose behaftet.

Bei so was sträuben sich mir die Haare – und so ein wiederaufgewärmtes Vorurteil, obwohl kurz vorher darauf hingewiesen wird, dass Homosexualität nicht ansteckend sei.

Die Antwort kommt mir dann ein bisschen hilflos vor, als sei jemand, der sich mit dem Thema nicht so ausführlich befasst hat, überrumpelt worden. Wenn sich darüber jemand anderes echauffieren mag, immer zu.

Dementsprechend habe ich mal ein Mail an die Brigitte-Redaktion abgesetzt:

Sehr geehrte Frau Huber, sehr geehrter Herr Lebert, liebe Brigitte-Redaktion,

in Ihrem ansonsten sehr lesenswerten und aufschlussreichen Interview mit Prof. von Braun stößt mir ein Abschnitt sauer auf, nämlich Seite 105 unten/106 oben, die Frage zu „homosexuellen Übergriffen“.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was mit Frage und Antwort bezweckt wurde, was sie aber effektiv tut, ist Schwulen zu unterstellen, dass sie sich bei Mangel an geeigneten Partnern, wenn nicht grundsätzlich, an Minderjährigen vergreifen.

Ein solches – erwiesenermaßen falsches – Vorurteil zu wiederholen, finde ich unhöflich und gefährlich.

Warum dieses Vorurteil so gefährlich ist?

Es steckt in den meisten Köpfen drin, und zwar aus der noch weitverbreiteten Annahme, dass Homosexualität ansteckend ist, und die Schwulen nix besseres zu tun haben, als Kinder mit ihren Neigungen zu infizieren. Völliger Blödsinn, aber halt sehr lange als erwiesen geltender Blödsinn: mein Knaur „Lexikon der Synonyme“ von 1992 spuckt als Synonym für „Homosexueller“ den Päderasten und Knabenschänder aus.

Wenn also jetzt jemand mit genau dieser Denke den Artikel liest, fühlt er sich bestätigt. Jemand, der keine Ahnung vom Thema hat, fängt vielleicht an, so zu denken, und insgesamt führt das dann zum Rauswurf von Lehrern, die sich zu ihrem Schwulsein bekennen, und anderen unschönen Dingen mehr.

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