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So, nachdem Ily hier und Sciatrix hier sich Gedanken zu Stolz und Vorurteilen machten, musste ich einfach mal ein bisschen tiefer in die Materie gehen und über „internalized homophobia“, also verinnerlichten Schwulenhass, lesen. Und nun ebenfalls nachdenken.

Wie Ily bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass zahlreiche Aces Vorurteile gegen sich selbst verinnerlicht haben, die in etwa dem entsprechen, was man auch von Außenstehenden zu hören bekommt. Wir können ja wohl nicht ganz richtig im Kopf sein, wenn schon mit den Hormonen alles in Ordnung ist; wir sind frigide, weil wir irgendwelche Neigungen verdrängen; haben den/die Richtigen(n) noch nicht gefunden, machen eine Phase durch, sind kaltherzige Egomanen, wenn nicht gar autistisch, und überhaupt sollen wir doch unser neues Etikett nicht so zur Schau tragen. Die Populärpsychologie nach Freud lässt grüßen.

Interessant an der Angelegenheit ist, dass der Asexualität ein gewisser Bekanntheitsgrad völlig abgeht – es existieren also Vorurteile gegen ein Phänomen, das erst seit zehn Jahren einen offiziellen Namen hat.

Vermutlich liegt das daran, dass die meisten Aces erst nach jahrelangen Therapeuten-Odysseen, schlechten Beziehungen und Selbstzweifeln auf den Begriff stoßen. Also zu einem Zeitpunkt, wenn das Kind schon längst in den Brunnen gefallen und ertrunken ist.

Fast alle haben dann bereits die Erfahrung gemacht, dass sie anders sind, und von jemand anderem deswegen als unzulänglich betrachtet werden.

Schlussfolgerung: man ist krank.

Dass solcherart verinnerlichtes Vorurteil schädlich ist, steht außer Frage. Zunächst mal sind die permanenten Selbstzweifel, die man deswegen mit sich rumträgt – ist das das richtige Wort? Ist das auch wirklich keine Phase? Hoffentlich kommt irgendwann Harry Potter vorbei und zaubert mich sexuell. Ist das nicht Anmaßung, zu diesem einen Prozent der Bevölkerung gehören zu wollen? – kein Spaß.

Sind diese Selbstzweifel zu stark, breitet man den Mantel des Schweigens über seine Orientierung, gibt auch auf direkte Fragen nur ausweichende Antworten… man lebt also, wie der Englischkönner sagt, „in the closet“. Im Schrank.

Der Schrank ist ein Negativverstärker: Wer lügt, hat was zu verbergen. Dinge, die man verbirgt, sind schlecht. Man muss sich schämen für schlechte Dinge. Folge: mehr Lügen, mehr Zweifel, und wenn man Pech hat, Selbsthass. Zumindest hält man sich durch sein Dasein im Schrank davon ab, sich in seinem Leben maximal wohlfühlen zu können.

Der Lösung erster Teil: Stolz.

Über Stolz hatte ich ja schon mal nachgedacht. Sicher kann man auf seine Orientierung nicht in der gleichen Weise stolz sein wie auf einen besonders gelungenen Kuchen oder gute Noten. Man kann aber einfach nur so stolz sein. Man kann sagen: das bin ich. Ich bin gut so, wie ich bin. Und wenn du was dagegen hast, dann schieb dir deine Kommentare gefälligst dahin, wo die Sonne nicht scheint.

Aus dem Stolz folgt das Coming-out. Wenn man nichts versteckt, ist der „aber ich muss mich doch schämen“-Mechanismus weg. Man weiß natürlich auch vorher schon, dass man nichts getan hat, dessen man sich schämen müsste, aber um dieses Wissen vom Kopf in den Bauch, oder vom Cortex ins Reptilienhirn zu bringen, dazu muss man schon aus seinem Schrank klettern.

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