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… um hier mal kenia aus dem AVEN-Forum zu zitieren.

Weil das englischsprachige Web sich über die romantische Orientierung gern und häufig den Kopf zerbricht, habe ich gedacht, ich führe mal meine „Tendenzen zur Aromantik“ ein bisschen weiter aus.

Als Teenager hatte ich, wenn auch Spätzünder, nie Anlass, mir über meine sexuelle Orientierung Gedanken zu machen. Schwärmereien waren durchaus vorhanden, und deren Objekte waren samt und sonders männlich.

Die Zahl von Verliebtheiten in männliche Wesen in meiner Reichweite beläuft sich allerdings auf eine Handvoll, und die sind alle schon länger her. Außerdem gelang es mir nie, die Betreffenden von meinen Gefühlen in Kenntnis zu setzen. Ich hielt das lange Zeit für die Folge krankhafter Schüchternheit.

Wie fühlt sich Verliebtsein an? Man denkt pausenlos an den anderen, man malt sich die Zukunft mit ihm aus. Träumt von ihm. Schwebt ohne großen Anlass auf Wolken. Kommt man in seine Nähe, fängt der Magen vor Aufregung an zu flattern, man hat vielleicht Herzklopfen. Man sucht ihn an jedem Ort, an den man kommt, und sieht dann nur, dass er nicht da ist.

Stutzig wurde ich erst, als Männer in greifbare Nähe rückten, die sich für mich interessierten, und ich Panik bekam. Die wollten engtanzen und mich anfassen und… Hilfäää! Aus der Träumerei wurde plötzlich Ernst, und ich merkte, dass Phantasie und Realität zwei ganz verschiedene Dinge sind.

Was mich glücklicherweise nicht in eine tiefere Krise stürzte. Immerhin war ich jahrelang ohne Beziehung gut klargekommen, da konnte es für den Rest meines Lebens nicht so schwierig sein. Irgendetwas stimmte offensichtlich mit meinen Hirnwindungen nicht, aber ich sah keinen Grund, deswegen einen Psychologen aufzusuchen. Wozu etwas therapieren, mit dem ich mich wohl fühlte?

Witzigerweise verzogen sich mit diesen Erkenntnissen auch meine Schwärmereien, als hätte mein Unterbewusstsein akzeptiert, dass die ganzen Dopaminstürme sowieso nichts bringen.

Da ich also weiß, wie sich Verliebtsein anfühlt, kann ich mich nicht als Aromantikerin im Sinne der Definition bezeichnen.

Glücklicherweise bin ich nicht die einzige Verwirrte, so dass ich auf einen reichen Schatz Wortschöpfungen zurückgreifen kann.

Da wären zum Beispiel:

Wtf-romantisch. (wtf: what the fuck). Wenn man versucht, seine Gefühle nach Freundschaft und Romantik zu sortieren und eine Fehlermeldung bekommt.

Demi-romantisch. Für alle, die erst mit jemandem eng befreundet sein müssen, bevor sie die Flugzeuge im Bauch fühlen.

Grau-romantisch. Für Leute, die wissen, wie sich romantische Anziehung anfühlt, die aber deswegen nichts unternehmen.

(Grau und demi funktionieren auf die gleiche Weise auch für die sexuelle Orientierung.)

Mehr fallen mir nicht ein, aber zumindest reicht es, mich im grauromantischen Bereich zu verorten.

Allerdings hat dieses Etikett es noch nicht geschafft, wie „asexuell“ in meine Selbstdefinition einzufließen, und vermutlich wird es das auch nie. Sicherlich erleichtert es die eine oder andere Diskussion, und hilft mir, klarer zu sehen, was ich eigentlich will, aber am Ende ist meine romantische Orientierung im Vergleich zu meinem Dasein als Ace eher nebensächlich.

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