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Dieses Stückchen Text befindet sich kürzer bereits an anderer Stelle, aber ich halte es für wichtig genug, es hier ebenfalls zu posten.

Ich tue es. Katsuko tut es. The Asexual Sexologist tut es. Mr. X Indeed tut es. NKfloofiepoof hat es getan.

Ich bin also nicht alleine mit meinem seltsamen Verhalten. Ich bin nicht die einzige Asexuelle, die Liebesgeschichten und Sexszenen schreibt. Und liest.

Aber warum nur? Sollte ich nicht diesem Austausch von Körperflüssigkeiten, wenn überhaupt, nur mit Handschuhen, Schutzbrille und Atemmaske begegnen wollen? Und wenn ich doch keinen Partner suche, sollten dann meine Figuren nicht auch mit anderem beschäftigt sein?

Ja? Ehrlich?

Zugegeben, auf den ersten Blick eine logische Schlussfolgerung, die aber den Nachteil hat, dass dann überhaupt keine Frau eine männliche Figur schreiben dürfte und umgekehrt. Kein braver Bürger könnte in die Seele eines Mörders schlüpfen, und spekulative Fiktion wäre völlig unmöglich.

Also wie schaffe ich es, jemanden mir völlig fremdes zu erschaffen?

Die Antwort lautet: Handwerk. Oder: eine Figur ist eine Figur, und keineswegs ihr Autor. Eine Figur lässt sich mit etwas Übung und Recherche auf einem Blatt Papier entwerfen: Aussehen, Biographie, Träume, Wünsche, Hoffnungen, Ängste.

Je gründlicher die Recherche, und je tiefer man in seinem Inneren nach Gefühlen graben kann, die man selbst eher selten braucht, desto besser der Bluff.

Alles weitere ist nicht so einfach erklärt, deshalb muss ich ausholen… ich habe nämlich schon Geschichten geschrieben, bevor es die AVEN-Mutterseite gab. Ich war ein heterosexuelles  misstrauisches Arschloch, bevor ich asexuell war. Dementsprechend eine Sozialisation einschließlich Bravo, zufällig von der Frau Mama rumliegengelassenen Aufklärungsbüchern, Mädchenzeitschriften und Daily Soaps. Und es gilt: selbst wenn man nicht aktiv nach Liebesgeschichten sucht, kommt man um romantische Nebenhandlungen nicht herum.

Ist halt nun mal so, dass alle Medien einem erzählen, was der Großteil der Menschheit zu hören wollen scheint. Der Rückschluss ist dummerweise, dass alle Menschen es wollen, und man selbst es auch zu wollen hat. Die Werbeindustrie verdient Millionen damit, den Leuten zu suggerieren, dass sie mit genau diesem Produkt ihre Chancen auf einen Partner verbessern.

Auf die Idee zu kommen, dass man vielleicht doch nicht will, was angeblich alle wollen… das ist ein langwieriger Prozess. Die Indoktrination sitzt tief.

Dazu kommt, dass ich zu einer Minderheit gehöre: ganz ohne Sex und Romanzen komme ich bei meinen Figuren nicht aus und nicht durch.

Auch muss ich zugeben: ich mag glückliche Enden, wie sie in Liebesromanen Pflicht sind. Und ich habe nichts gegen gelegentliche Szenen, die so süß sind, dass einem beim Lesen die Zähne wehtun. Aber ich wünsche mich nicht an den Platz der Heldin, die mit ihrem Schatz in den Sonnenuntergang reitet.

Viel interessanter finde ich, was passieren muss, damit zwei (oder auch mehr) in den Sonnenuntergang reiten können. Was finden die überhaupt aneinander? Warum funktioniert die Beziehung? Wo ist der Punkt, an dem sie zum Scheitern verurteilt war?

Deswegen reizt mich auch die Slash-Fanfiction so – abgesehen von der üblichen Sezierung von Gefühlen und menschlichen Schwächen kommt eine schriftstellerische Herausforderung dazu, die Leser von etwas eher unwahrscheinlichem zu überzeugen.

Deswegen mache ich um konventionelle Liebesromane einen Bogen, denn da sind zwei gute Menschen füreinander bestimmt, und dann kommen böse Fremde und zerstören beinahe ihre Liebe! Wie im wirklichen Leben, gell?

Ich frage statt nach Intrigen lieber nach Gruppenzwang und der Angst vor Einsamkeit, nach Pflichtgefühl, Mut, Vertrauen, nach der Freiheit der Wahl und der Weisheit, das anzunehmen, was nicht zu ändern ist.

Eine Liebesgeschichte ist da ein durchaus brauchbares Vehikel, das nun wirklich fast jeden interessiert. Auf dieses Mittel zu verzichten, nur weil mein Interesse eher intellektueller statt emotionaler Natur ist, wäre schön blöd.

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